Er war 21 und ich war 18. Es war ein Desaster wie einst bei Romeo und Julia, er mit ganz zurückgekämmten Haaren wie Robert Smith und ich dünner, als ich jetzt bin, mit kürzeren Röcken und längeren Strümpfen. Es schien, als sei er vom Himmel gefallen, und für ein Mädchen aus dem Ghetto lud er zur Erforschung von so vielen neuen Wegen ein: in die Kunst, ins Kino – und der kostbarste davon war der in das Abenteuer Sexualität. Er hatte nie seine Freundin verleugnet, aber er hatte verleugnet, wie er zu ihr stand; und jung und dumm, wie ich war, glaubte ich ihm. Das Tagebuch, was ich hier einreiche, ist teilweise dafür mitverantwortlich. Es enthält jedes Zugticket, jede Konzertkarte und jedes weitere dauerhafte Zeichen, das ich in diesen sechs Monaten für wichtig genug zum Aufbewahren empfand. Wir waren „gute Kumpel“ und noch sehr viel mehr. Nachdem es explodiert war – und nach sechs Monaten ohne Kontakt – trafen ich ihn zufällig, als ich mit meinem neuen Partner im Kino war, und seitdem waren wir immer mal wieder zusammen. Ich sende Ihnen dieses Tagebuch zu, denn nach sieben Jahren, in denen mit mir gespielt wurde, bin ich müde davon, von seiner Stimme gefangen gehalten zu werden, und ich will eine Liebesbeziehung ausprobieren, die nicht bloß die zweitbeste ist. Dies ist ein hoffnungsvoller Anfang und kein trauriges Ende.


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