Es war eine Liebesgeschichte, die mich in meinen Grundfesten erschütterte. Sie schüttelte und rüttelte an diesen auf eine sehr tiefgreifende, ruhige und freudvolle Weise. Als wir uns trafen, war ich im Innersten glücklich mit mir selbst und der Welt. Ich war 18 Jahre alt und voller Hunger. Ich starrte in seine großen blauen Augen und hatte das Gefühl, in einem weiten, warmen Ozean zu schwimmen. Wir mochten dieselben Dinge, waren hungrig nach Kunst, nach neuen Erfahrungen, Theater, Musik, Essen, Reisen. Wir wurden zusammen erwachsen, formten den Geist und hielten den Körper des anderen und prägten einander sanft unsere Ideologien und Empfindungen auf … Erinnerungen an weiße Nächte, Gespräche, Küsse, Spaziergänge, Blumenpflücken, taumelnd, laut, schwindelig, sonnengeküsst, unzertrennlich.
Zeitsprung: Viereinhalb Jahre später kamen wir an einen Wendepunkt. Ungeschützter Sex, ein Job in einem anderen Land, der bevorstehende Umzug auf ein Hausboot und die Aussicht darauf, dass sich unser beider Leben vollkommen verändern würde … All das stellte eine zu große Bedrohung für ihn dar, und so fand er in die Arme einer anderen Frau. Einer Frau, die mir glich, aber Freiheit verkörperte.
Instinktiv spürte ich den Unterton seiner Unehrlichkeit, sah voraus, dass sich etwas verändern würde, und erahnte die bedrohliche Gegenwart einer anderen Person. Sie gehörte zu dem Moment, wo unser Leben im Wandel war. Eine neue Bekanntschaft zeigt Interesse und stellt dir ein Ticket zu einem neuen Leben aus.
Ich blieb verlassen zurück, gestrandet, heulend, mit einem Loch in meiner Seele. Eine Zeitlang war ich besessen von dem wilden Geist der Eifersucht, fahl und verwahrlost, ich ging in den frühen Morgenstunden um sein Haus herum, schlich in den Park, auf den sein Fenster sah, war um Mitternacht dort, den Verlust unserer Liebe beklagend und leise heulend mit den Katzen und Füchsen. Und versuchte einen Blick zu erhaschen auf ihn und sie.
Eine wunderbar weise polnische Freundin sagte: „Mit der Zeit wirst du wieder erwachen und hinauf schauen in den Himmel, und anstatt dich nach ihm zu sehnen, wirst du in der Lage sein, die Schönheit des Himmels in dich aufzunehmen, ohne das Bedürfnis, das zu teilen.”
Die Zeit schritt voran. Ich sah mich allein, schön und gespiegelt in den Augen vieler verschiedener einfühlsamer Liebhaber, jeder wie eine Dusche, die meine Sehnsucht nach ihm abwusch. Ich fand Gefallen an den unterschiedlichen Liebkosungen, den neuen Berührungen und Küssen.
Die Fotos auf diesem nicht entwickelten Film wurden im Monat vor unserer Trennung gemacht. Wenn ich jetzt zurückblicke, weiß ich, dass es damals schon Anzeichen für das Zerbrechen unserer Liebe gab, dass er langsam meiner Berührung entschwand, wie das verblassende Bild auf einem Polaroid. Ich sehe eine junge Frau, die bereit war, viel für jemanden aufzugeben, und ich sehe einen jungen Mann, versteinert angesichts des zukünftigen Lebens, das sich um ihn schließt. Er blickt mit weiten, angstvollen Augen um sich auf der Suche nach einer Möglichkeit, zu entkommen.
Der Film wurde nie entwickelt, er entwickelte sich vor unseren Augen.


« zurück zur Veranstaltung: Museum of Broken Relationships in Köln