Ein Junge, der mich immer zur Schule begleitete, gab mir dieses Buch. Ich war nicht älter als 13 zu dieser Zeit und er vielleicht ein Jahr älter. Ich mochte den Jungen gern, aber er wurde krank und musste in Quarantäne sein, und so konnte ich ihn nicht sehen. Wir erfanden ein Alphabet, sodass wir einander schreiben konnten. Auf diese Weise konnten wir uns Briefe schreiben. Unsere Familien hatten uns verboten, am Telefon miteinander zu reden, aber seine Mutter half uns dabei, auf diese Weise miteinander zu kommunizieren.
In diesem Buch ist ein Gedicht, das er für mich in unserem Alphabet schrieb. Kurz danach hörte ich auf, ihn zu sehen, denn die frommen Menschen in unserer Gemeinde wollten nicht, dass wir zusammen waren. Sie drohten mir, dass, wenn er nicht von mir fern bleiben würde, sie allen erzählen würden, dass ich mit ihm gesündigt hätte (dass wir Sex miteinander gehabt hätten). Er wollte meinen Namen nicht beflecken, und so endete es hier.
Fünfundzwanzig Jahre vergingen, bis er mich wieder über Facebook fand. Als wir einander wiedersahen, waren für uns beide dieselben Gefühle von Zuneigung und Liebe immer noch da. Aber es war alles vergebens. Er war verlobt.


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