Mit meiner Freundin I., die nun nicht mehr meine Freundin ist, hat mich eine tiefe, wahrhaftige Herzensnähe verbunden. I. war eine stabile Größe in meinem Leben, so wie ich es war in ihrem. Wir konnten einander auf Anhieb nahe sein – egal wie lange wir uns nicht gesehen oder gesprochen hatten. Das wohlige Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit war immer da – wie ein Basston – und wir wussten das voneinander.
Kennengelernt haben wir uns, als wir beide am gleichen Tag in eine neue Situation eintraten. I. begann eine neue Arbeitsstelle in einem Kunstprojekt in Süddeutschland und ich war dort, um eine Hospitation anzutreten. Vom ersten Abend an waren wir unzertrennlich, erzählten uns unsere Geschichten und legten die Basis für eine tiefe, nährende Freundschaft, die 16 Jahre dauerte. Im Jahr 2013 hat I. unser Freundschaftsband zerschnitten, ohne jemals eine Aussprache zuzulassen. In einem Brief äußerte sie ihre Vermutung, dass ich mich in sie verliebt hätte – das wolle sie nicht und erbat sich Abstand. Es gelang mir nicht ihre Fehleinschätzung zu korrigieren, so sehr ich mich auch bemühte. Mir blieb die Hoffnung, dass sich das Missverständnis auflösen ließe, wenn ich mich geduldig zeigte. Vor einem Jahr habe ich den letzten Versuch unternommen, um mit I. wieder in Kontakt zu kommen. Über eine Freundin von I., die mir kurze Zeit später ausrichtete, dass I. keinen Kontakt mehr mit mir wünsche.
Die „Baci di Colonia“, drei Alupapierchen & Blechdose, erinnern an einen ausgelassenen Nachmittag in meiner Küche in Köln, wo wir zu dritt, mit meiner damaligen Liebe E., der inzwischen auch nicht mehr meine Liebe ist, rumalberten. Wir konnten zusammen ungehemmt Quatsch machen, angetrieben von einer kindlichen Freude. Die drei Alupapierchen umhüllten ursprünglich eine italienische Schokoladenpraline, „Baci di Perugia“ genannt. Nachdem wir den süßen Inhalt genussvoll verspeist hatten – jeder eine Praline –, formten wir anschließend lachend mit den geglätteten Metallfolien unsere Lippen ab – ein gefrorener Kuss als Zeugnis unserer tiefen Verbundenheit und Nähe. Die beigepackten Losungszettelchen aus dünnem Pergamin habe ich zusammen mit den Abformungen der Kussmünder aufbewahrt:
EIN VERBOTENER KUSS
BRENNT HEISSER ALS DAS FEUER.
A FRIEND IN NEED IS A FRIEND INDEED.
DIE NOTEN DER LIEBE
MACHEN DIE GRÖSSTE FREUDE AUS.
Diese Freundschaftssätze brennen in meiner Seele und befeuern die Traurigkeit über den Verlust. Ich will die „Baci di Colonia“ nun loswerden und die kindliche Freude, die mir als Teil meines Selbst abhanden gekommen ist, wiederfinden.


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