Mein Vater wollte unbedingt Opernsänger werden. Schon mit 15 Jahren hatte er begonnen, seine Stimme auszubilden, und nahm Gesangsunterricht. Seiner ersten festen Freundin und Liebe schenkte er 1942, im Alter von 18 Jahren, eine Schallplatte, die er selbst mit dem Schubert-Lied Adelaide besungen hatte. Dann musste er in den Krieg. Er wurde schwer verwundet – der Splitter einer Granate drang in seinen Hals und verletzte seine Stimmbänder. Gott sei Dank wurde er in englischer Gefangenschaft geheilt, aber seine Stimme war beschädigt und der Traum, Sänger zu werden, geplatzt. Als er aus dem Krieg heimkehrte, musste er schließlich auch erfahren, dass seine Freundin inzwischen mit einem anderen Mann fest liiert war.
Mein Vater lernte meine Mutter kennen, verliebte sich, heiratete, sie bekamen Kinder und lebten glücklich bis zu seinem Tod.
Als die Freundin starb, erhielt ich von ihren Söhnen die Schallplatte, die sie ein Leben lang aufbewahrt hatte.


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