Wir haben uns in der Oberstufe kennengelernt. Er war immer schon sehr kreativ und hat im Kunstunterricht diese Skulptur aus Blech gebogen. Irgendwann zu Beginn der Beziehung hat er sie mir geschenkt und ich habe sie nun ca. 16 Jahre aufbewahrt.
In unserem 7. Jahr war ich Studentin und ich entschied, ein Jahr lang in Italien zu studieren. Er hat mich in meiner Entscheidung unterstützt, denn wir wollten immer größtmögliche Freiheit in der jeweiligen persönlichen Entfaltung. Wir hatten abgesprochen, dass er mich einmal im Monat besuchen kommt, und ich hatte mein WG-Zimmer in Italien als erstes so eingerichtet, dass wir es gemütlich hatten. Ich besuchte einen Italienischkurs und machte erste Freundschaften. Jeder wusste, wie sehr ich mich auf seinen ersten Besuch freute. Wenn wir im Unterricht Sätze im Futur bilden sollten, dann klangen alle ungefähr so: „Ich werde glücklich sein, weil … mich besuchen kommen wird.“
Am Tag seiner Ankunft erzählte er mir, dass er mich nicht mehr liebt. Wir hatten noch fünf Tage zusammen. Tagsüber spielte ich die Reiseführerin und abends weinte ich mich leise in den Schlaf, wenn wir Rücken an Rücken auf meiner neu gekauften 1,40-m-Matratze lagen. An dem Tag habe ich mich von meinen Gefühlen abgeschnitten. Noch heute entdecke ich Wunden von damals.
Drei Wochen, nachdem er Schluss gemacht hatte, hörte ich von Freunden, dass eine gemeinsame Freundin in unserer Wohnung ein und aus ging. Mit ihr ist er bis heute zusammen.
Ich war 18, als wir zusammen kamen, und 25, als er mich verließ. Ich habe ihn bis zum letzten Tag geliebt, dachte, wir würden heiraten und Kinder bekommen. Heute bin ich 36 Jahre alt, Single und meistens glücklich. Ich bin dankbar für das, was ich lernen durfte, und für die, die ich geworden bin!


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