Damals nannten mich alle Teddy. Auch eine Studentin, die ich sympathisch fand und die mich näher kennenlernen wollte. Sie konnte Kirchenorgel spielen – und ich verliebte mich mehr in ihr Spiel als in sie. Denn eigentlich liebe ich Männer. Trotzdem – im Vertrauen auf Gott und merkwürdige Heilungsversprechen – haben wir eine Liebesbeziehung begonnen, die nach einiger Zeit sogar in eine Ehe mündete. Damals bekam ich alle naselang Stoffteddybären geschenkt – und es wurden Geschichten von Christopher Kirchenmaus erzählt. Da kam wohl eins zum anderen. Das Geschenk sollte wohl etwas Besonderes sein: Irgendwann bekam ich von meiner Frau ein kleines, weißes Steifftier – zusammen mit einer Karten –, unterschrieben mit „Deine Orgelmaus“. Seltsam. So hatte und habe ich sie niemals genannt. Keine Ahnung, wie sie darauf kam. Die weiße Maus lag etliche Zeit im Regal auf bunten Büchern – erlebte viele Auseinandersetzungen, Tränen, Versöhnungsversuche – und verließ mit mir das gemeinsame Haus, das wir zur Rettung der Ehe gekauft hatten. Der Kauf, ein fataler Fehler. Ein Jahr nach Einzug wurden wir rausgeworfen. Keine Ahnung, warum ausgerechnet die Maus noch Jahre nach meiner Scheidung in einer Ecke in meiner Wohnung verstaubte. Vielleicht, weil sie die Verlogenheit meiner Ehe schon immer auf den Punkt brachte – ich liebe Bären und keine Mäuse.


« zurück zur Veranstaltung: Museum of Broken Relationships in Köln