Wurde Ihr Herz jemals gebrochen?

Museum of Broken Relationships zu Gast in Köln

Das Museum of Broken Relationships sucht bis zum 1. April 2016 Erinnerungen an gebrochene Herzen.

Die Künstler Olinka Vištica und Dražen Grubišić aus Zagreb schaffen ein Kabinett der zerbrochenen Herzen. Es sammelt und zeigt in einer weltweiten Wanderausstellung Objekte zerbrochener Beziehungen, ihre Relikte, Erinnerungsstücke oder ihre Scherben und erzählt die Bedeutungen, die damit verbunden sind.

Das Museum of Broken Relationships sucht Gegenstände für die Ausstellung in Köln. Die Kölner sind aufgerufen, Objekte zu spenden, die sie an eine beendete Liebe oder ein zerbrochenes Herz erinnern. Die gestifteten Objekte gehen in die Sammlung des Museums ein und werden beim Sommerblut Kulturfestival vom 30. April bis 15. Mai 2016 im Alten Pfandhaus zu sehen sein.

Bis zum 1. April 2016 werden die Gegenstände und die damit verbundenen Geschichten gesammelt.

Die Objekte und Beschreibungen können ab sofort eingereicht werden unter: join-MoBR.sommerblut.de

Fragen bitte per E-Mail an broken.relationship@sommerblut.de oder telefonisch an Kai Kullen unter 0177-4362619

Der Aufruf auf Facebook: https://www.facebook.com/events/1082935618394811/


BEISPIELE

MoBR

 

Bilder (c) Museum of Broken Relationships


1. Bügeleisen / Stavanger, Norwegen
Mit diesem Bügeleisen wurde mein Hochzeitsanzug gebügelt. Jetzt ist es alles was übrig geblieben ist.

2. Ex-Axt / 1995 / Berlin, Deutschland
Sie war die erste Frau, die zu mir eingezogen ist. Alle meine Freunde meinten, dass ich lernen soll, Leute näher heranzulassen. Einige Monate nachdem sie eingezogen ist, bekam ich das Angebot für eine Amerikareise. Sie konnte nicht mitkommen. Am Flughafen verabschiedeten wir uns mit Tränen und sie beteuerte, dass sie drei Wochen ohne mich nicht überleben wird.

Nach drei Wochen kam ich zurück und sie sagte: „Ich habe mich in jemand anderen verliebt. Ich kenne sie erst seit vier Tagen, aber ich weiß, dass sie mir alles geben kann, dass du nicht kannst.“

Ich blieb banal und fragte sie nach ihren Plänen im Hinblick auf unser gemeinsames Leben. Am nächsten Tag hatte sie immer noch keine Antwort und ich schmiss sie raus. Sie machte gleich Urlaub mit ihrer neuen Freundin, während ihre Möbel bei mir blieben. Nicht wissend, was ich mit meinem Zorn tun soll, kaufte ich schließlich diese Axt im „Karstadt“ um Dampf abzulassen und ihr wenigstens einen Anflug des Gefühls des Verlustes zu geben, das sie nach unserer Trennung offensichtlich nicht hatte.

In den vierzehn Tagen ihrer Ferien machte ich jeden Tag eins ihrer Möbelstücke zu Kleinholz. Ich behielt die Überreste, als Ausdruck meines inneren Zustands. Je mehr ihr Zimmer, gefüllt mit gehackten Möbeln, das Aussehen meiner Seele bekam, desto besser fühlte ich mich. Zwei Wochen nachdem sie weggegangen ist, kam sie um ihre Möbel zu holen. Sie waren ordentlich aufgereiht in kleine Häufchen und Holzstücke. Sie nahm diese Reste und verließ meine Wohnung für immer. Die Axt wurde in ein therapeutisches Instrument promoviert.

3. Eine kleine Flagge / Sommer 1993 / Zagreb, Kroatien
Eine gelbe Flagge, wird auf Booten beim Verlassen des Hafens gehisst, um den anderen Schiffen zu signalisieren, dass alles in Ordnung ist.
Für mich beinhaltet diese Flagge eine Erinnerung an meine erste sexuelle Erfahrung mit einem Mann. Ich war volljährig, er ein deutscher Segler. Für mich war es eine große Chance, meine Jungfräulichkeit in einer romantischen Umgebung zu verlieren – umgeben von Schiffen, Touristen und der erotischsten Sprache (Schatzi :-) Statt seiner Unterhose oder einer Locke, bekam ich diese kleine Flagge von ihm. Wir haben uns eine Zeitlang Briefe geschrieben, aber wir haben uns nie wieder gesehen.


Allgemeine Informationen zum Museum of Broken Relationships:

Das Museum der gebrochenen Beziehungen wuchs zunächst aus einer Wanderausstellung, die sich mit dem Konzept von misslungenen Beziehungen und ihren Überresten beschäftigt. Anders als „destruktive“ Selbsthilfe-Anweisungen, um sich von fehlgeschlagenen Liebesbeziehungen zu erholen, bietet das Museum eine Chance, den emotionalen Kollaps durch den kreativen Prozess zu überwinden: indem man zu der Sammlung des Museum beiträgt.

Was auch immer die Motivation hinter der Spende von persönlichen Gegenständen ist – sei es bloßer Exhibitionismus, therapeutische Befreiung oder einfache Neugier – Menschen nahmen die Idee, die Hinterlassenschaft ihrer Liebe auszustellen, als eine Art Ritual, eine feierliche Zeremonie, an. Unsere Gesellschaften verpflichten uns zu Hochzeiten, Beerdigungen und sogar zu Abschlussfeiern – aber sie verwehren uns jede Art der formalen Anerkennung des Niedergangs einer Beziehung, trotz ihrer starken, emotionalen Wirkung. Um es mit den Worten von Roland Barthes in „A Lover’s Discourse“ zu sagen: Jede Passion hat, letztendlich, ihre Zuschauer …. (es gibt) keine amouröse Opfergabe ohne ein finales Theater.“

Von Olinka Vištica und Dražen Grubišić in Kroatien entworfen, hat das Museum seitdem auf seinen internationalen Touren eine beeindruckende Sammlung  zusammengetragen. Und auch wenn sie häufig von persönlicher Erfahrung, lokaler Kultur und Geschichte beeinflusst sind, bilden doch die hier gezeigten Exponate universelle Muster auf, die uns einladen, sie zu entdecken und den Trost, den sie geben können, nachzuempfinden. Hoffentlich können sie auch unsere persönliche Suche nach tieferer Einsicht inspirieren und unseren Glauben an Etwas, das sinnstiftender und bedeutender ist, als bloß zufälliges Leiden, stärken.